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Schallerabend – Internationaler Holocaust-Gedenktag

Details

Datum:
27. Januar
Zeit:
8:00 bis 17:00
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Veranstaltungsort

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde und Unterstützer der Bürgerinitiative „Kellinghusener Stadtwege zur Mitmenschlichkeit“,

am 27. Januar 1945 haben Soldaten der Roten Armee die Konzentrationslager von Auschwitz befreit. Der Tag der Befreiung ist mittlerweile internationaler Holocaust-Gedenktag. In den vergangenen Jahren hatte die Bürgerinitiative „Kellinghusener Stadtwege zur Mitmenschlichkeit“ aus diesem Anlass Gedenkveranstaltungen organisiert. Corona bedingt war dies im letzten Jahr nicht möglich und kann als öffentliche Veranstaltung auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Das Gedenken kann aber auch in anderer Form geschehen.

Lieder aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen Ehemalige Häftlinge aus dem KZ-Sachsenhausen singen ihre Lieder von Mut, Hoffnung und Widerstand

Zum 27. Januar, dem Holocaust Gedenktag, möchte die Kellinghusener Bürgerinitiative „Kellinghusener Stadtwege zur Mitmenschlichkeit“ alle Interessierten zu einem „Schallerabend der Hamburger Kumpels aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen“  einladen. „Schallerabend“ – so nannten die KZ-Häftlinge in Sachsenhausen ab 1936 ihr gemeinsames Singen als Protestreaktion auf die gewalttätigen Ausschreitungen der SS. Die gesungenen Lieder, häufig getarnte Widerstandslieder, die sie als Trotz- und Protestreaktion bevorzugt dann sangen, wenn sie von der SS besonders brutal schikaniert worden waren, zeugen von der „inneren Integrität“ der Häftlinge –  von den Möglichkeiten geistigen Überlebens in der dunklen KZ-Welt. Die „Schallerabende“ erzeugten in den Häftlingen ein Gefühl der Gemeinsamkeit, weckten neuen Mut und den festen Willen, dem brutalen SS-Terror zu widerstehen. Durch den Abend führt der ehemalige Lagerälteste Harry Naujocks. Coronabedingt ist der „Schallerabend“  zu sehen und zu hören auf Youtube unter „Lieder aus dem Konzentrationslager“.

Hier der Link zum Beitrag (eine historische Aufnahme):

https://www.youtube.com/watch?v=gFOcWCzTgi8. Hinweis zur Verbesserung der

Bildqualität: Bei Einstellungen (Zahnrad unten rechts nach Aufruf des Links) 1080p HD anklicken.

Im September 1956 übernahm Fritz Bringmann, ehemaliger Häftling der Konzentrationslager Fuhlsbüttel, Sachsenhausen und Neuengamme, die Leitung des VVN-Heims „Heideruh“, eines Erholungsheims für ehemalige Naziverfolgte.

Hier fanden mehrere Treffen der Sachsenhausener Kameraden statt und es wurden „Schallerabende“ gestaltet, bei denen die ehemaligen KZ-Häftlinge ihre Lieder  sangen und aufnahmen. Diese aufgenommenen Lieder aus dem Konzentrationslager sind sehr seltene Kostbarkeiten – sie sind  Zeugnisse dafür, dass es den Nationalsozialisten selbst in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern nicht gelungen ist, die Häftlinge ihrer Ideale, ihres Mutes zum Widerstand, ihrer Hoffnungen, ihrer Würde und ihrer menschlichen und kulturellen Ausdrucksfähigkeit zu berauben.

Für die Kellinghusener Bürgerinitiative  ergibt sich die Gelegenheit, an Fritz Bringmann und damit an einen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zu erinnern, der 2011 mit 93 Jahren verstarb und in seinen letzten Lebensjahren in Aukrug wohnte. Bis ins hohe Alter empfand er es als seine Pflicht vor einem wieder erstarkenden Faschismus in der Gesellschaft zu warnen. Mehrmals warb Fritz Bringmann als Gastvortragender in der Kellinghusener Gemeinschaftsschule für Demokratie und ein solidarisches Zusammenleben. Auf der Veranstaltung unserer Bürgerinitiative zum Antikriegs- und Weltfriedensstag 2009 am 1. September 2009 beeindruckte Fritz Bringmann mit seinen Lebenserinnerungen, die geprägt waren vom Widerstandskampf und seinem nicht enden wollenden Ringen um humanitäre Lebensziele. Als Häftling im Konzentrationslager Neuengamme organisierte er ungebrochen und unter Gefahr für sein eigenes Leben solidarisches Miteinander. Dazu gehörten auch die „Schallerabende“ –  gemeinsames Singen verbunden mit der Hoffnung auf eine lebenswertere Zukunft.

Niemals wieder Faschismus! Niemals wieder Krieg!

Dem Vermächtnis der Überlebenden der Konzentrationslager ist nichts hinzuzufügen.

Bürgerinitiative „Kellinghusener Stadtwege zur Mitmenschlichkeit“

Walter Vietzen und Heinz-Jürgen Heidemann